Liebe Hündeler!
Vom Flegel zum Halbstarken – so könnte man den Schritt des Erwachsenwerdens der Hunde nennen. Die Junghunde haben es faustdick hinter den Ohren.
Ein Flegel hat noch immer Flausen im Kopf, vieles belächeln wir auch, weil es lustig ist. Aber es ist der Anfang vom Halbstarken.
Wie wir in den letzten Beiträgen gelesen haben, wird der Welpe zum Flegel und jetzt wird er vom Flegel zum Halbstarken. Für diese Phase und auch weiterhin gibt es ein Zauberwort: das heisst „Konsequenz“.

Nala, wie auch alle anderen Hund sind einfach nur zuckersüss in diesem Alter – wenn sie schlafen!
Sonst sind die meisten echte Halbstarke, die unsere Geduld bis zum Äussersten ausreizen.
Wie oft höre ich „der weiss doch, wie es geht“, „der macht das extra“ usw.
Ja, der Junghund weiss, wie es geht und nein, er macht es nicht extra, um uns zu ärgern. Der Halbstarke will es nun wirklich wissen und schauen, wie weit er gehen kann.
Der Junghund pubertiert, er wird geschlechtsreif. Plötzlich riechen die anderen Hunde anders und es geht nicht mehr nur um’s Spielen.
Adoleszenz
Die Adoleszenz beim Hund läuft ähnlich dem Menschen ab, einfach in viel rasanterem Tempo. Unsere Hunde verändern sich körperlich und psychisch. Die Geschlechtsorgane entwickeln sich voll und die Hormone spielen darum eine ganz wichtige Rolle in dieser Phase. Ich spreche dann immer von einem „Gewitter“ im Hirn. Das können wir uns auch wirklich bildlich vorstellen – alles läuft normal im Gehirn und plötzlich gibt es einen „Blitz“ und unser Hund testet uns, will was anderes. Ist der Blitz vorüber, ist er wieder unser lieber Kumpel. Manchmal habe ich das Gefühl, zu Anfang weiss auch der Hund nicht, was wirklich passiert ist.
Der Junghund wird rebellisch. Er testet die Grenzen aus, und zwar nicht, wie weit kann ich die Grenze verschieben, sondern wie weit gehe ich über die Grenzen. Eben – vom Flegel zum Halbstarken
Typisches Verhalten in der Phase
- Aussenreize sind wieder viel interessanter, der Junghund lässt sich gerne ablenken, die Konzentrationsfähigkeit nimmt ab. Wir wollen ein „sitz“, aber unser Hund muss erst noch was in der Umgebung abschnuppern, anschauen usw.
- Grenzen ausloten ist das, was wir am meisten feststellen. Wir wollen ein „sitz“, der Junghund schaut uns an und wird das nicht machen wollen. Der Junghund wird testen, wie weit er gehen kann, bis eine Reaktion von uns kommt.
- Er ignoriert ein Kommando, er macht alles andere, nur nicht das gewünschte Kommando oder zeigt ein unerwünschtes Verhalten.
- Der Junghund zeigt in dieser Phase oft viel mehr Unruhe und er hat mehr Energie. Er weiss oft nicht, wie es mit einer Frustration umgehen soll.
- Die Junghunde (Rüden und Weibchen) markieren mehr, die Rüden versuchen zu rammeln und zeigen vor allem viel mehr Interesse am anderen Geschlecht.
- Der Junghund zeigt mehr Unsicherheit. Es kann zu Situationen kommen, in der er bellt, knurrt oder sich zurückzieht, wo er vorher völlig locker war.
Was machen wir nun?
Wir bleiben konsequent und klar in unserer Haltung. Unsere Regeln bleiben die gleichen. Wir vermitteln unserem Hund, welches Verhalten gewünscht ist und trainieren das weiter.
Wichtig ist, dass wir unseren Junghund in dieser Phase körperlich auslasten, aber bitte nicht vergessen, vor allem die geistige Auslastung ist jetzt wichtig. Denkspiele, Suchspiele sind gute Aktivitäten, die wir drinnen und draussen machen können und den Hund auch auslastet.
Weiterhin normal trainieren – aber wirklich trainieren, nicht schleifen lassen, „weil er heute keinen guten Tag hat“. Auch wenn unser Hund weniger aufmerksam ist, können wir trainieren, halt in kürzeren Einheiten, dafür mehrmals im Tag, also bei jedem Spaziergang.
Mit unserer Konsequenz, zeigen wir weiterhin unsere Grenzen auf und zeigen, welches Verhalten gewünscht ist. Der Junghund erfährt dadurch Sicherheit. Wichtig ist hier: bitte nicht laut und böse werden. Ruhig bleiben und bestimmt sein. Das Vertrauen wächst dadurch.
Angst und Unsicherheit
In Situationen, in welchen der Halbstarke dann plötzlich unsicher ist, sogar Angst hat, stärken wir ihn, indem wir die Situation zusammen meistern. Wir lassen ihn nicht „selber“ lösen. Er wird so weiterhin Vertrauen in uns haben, nicht überfordert werden, weil er ja mit uns zusammen stark ist. Wird die Situation positiv für unseren Partner gelöst, bekommt er ein gesundes Selbstvertrauen und nochmals – er weiss, dass er sich auf uns verlassen kann.
Um all das und noch mehr zu festigen ist es wichtig, dass wir Hündeler in einer Hundeschule einen Kurs besuchen, ob nun obligatorisch oder nicht. Dass der Kanton Zürich den obligatorischen Kurs erst ab der 24. Woche ermöglicht, ist fatal. Was die Gründe dafür sind, habe ich Euch im Beitrag „Eingewöhnung“ erzählt. Darum bitten wir immer alle Hundebesitzer, schon ab der 21. Lebenswoche mit dem Erziehungskurs zu starten, in welchem dann auch die sechs obligatorischen Lektionen beinhaltet sind.
Vom Flegel zum Halbstarken – eine schwierige Zeit, die uns und unseren Hunden viel abverlangt. Aber es ist auch die Zeit, in welcher wir die Möglichkeit haben, unseren Hund zu „formen“.
Nala ist nun 6,5 Jahre alt und ich liebe sie noch immer, wie am Anfang – und ja, auch sie hat mich getestet und testet mich noch heute. Das ist normal, aber sie weiss, dass sie in Sicherheit ist, darum ist das gegenseitige Vertrauen da und eine tiefe Bindung.
Ich liebe meine Nala einfach! ❤